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115 Perlen im Indischen Ozean

Sontags Blick, > 13.01.2007

 

Ein Traum aus Sand und Palmen, aus Meer und Himmel: die Inseln der Verliebten vor der Ostküste Afrikas. Stress und Eile sind hier unbekannt, gelebt wird wie im Paradies – aber mit Telefon, Klimaanlage und Luxus-Service. Und wer sich ewige Treue schwören will, findet hier garantiert seine Bucht und einen Standesbeamten. Als Trauzeuge steht ein Schweizer Hotelier bereit.

 

Liebe ist das beste Mittel gegen Hunger und alles Hässliche. Wer es nicht glaubt, kann sich binnen zehn Stunden bekehren lassen. So lange dauert ein Flug der Air Seychelles von Paris nach Mahé.

 

Im Flugzeug sitzen Frauen, Männer, viele sind jung, einige im zweiten Frühling. Sie kuscheln sich aneinander, halten Händchen und an manchen Fingern blinken neue Ringe. Sie sind auf dem Weg ins Paradies, genauer: in 115 Paradiese. Südlich des Äquators, zwischen Afrika und Indien ragen die 115 Inseln der Seychellen aus dem Indischen Ozean. Würde man sie als Puzzle zusammenfügen, würden sie die Fläche des Kantons Obwalden einnehmen.

 

Das Zentrum liegt auf Mahé. Dort befinden sich die Hauptstadt Victoria, der grosse Handelshafen und der internationale Flughafen. Schon beim Anflug fasziniert die tropische Üppigkeit. An den Bergen kleben Wolken, die nur darauf warten, sich in kurzen Schauern auf den Dschungel zu ergiessen. Aus der Vogelperspektive scheint es, als bestehe die Insel Mahé nur aus Regenwald, der vom türkisfarbenen Meer umspült und von weissen Stränden umrahmt wird. Baumriesen schützen Häuser, Kirchen, Hotels und Strassen.

 

Auf der Hauptinsel leben vier Fünftel der Sechellois,

71000 Menschen. Sie sprechen Kreolisch, eine Sprache, die sich aus ihrer Vergangenheit entwickelt hat.

 

Ursprünglich wurden die Insulaner von Sklavenhändlern aus Schwarzafrika auf die Seychellen verschleppt. Im

18. Jahrhundert eroberten Franzosen das Eiland. Aus dieser Zeit stammt das Kauderwelsch aus afrikanischen Dialekten und Französisch, das «Kreol». Rund 50 Jahre später besetzen die Briten die Inseln, die sie 1976 in die Unabhängigkeit entlassen. Seither existieren drei Nationalsprachen: Kreolisch, Französisch und Englisch. Da die «Grands Blancs» – also die Franzosen und die Briten – lange mit Afrikanern zusammenlebten, sind heute die Sechellois weder blauäugig, noch schwarzhäutig. Aber 90 Prozent von ihnen sind katholisch.

 

 

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Wo Einheimische untreu sind und Gäste sich ewige Treue schwören

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Jedoch der Papst ist weit weg – und so haben sich die Inselbewohner die Zehn Gebote selbst zurechtgebogen: Ehen mit der Formel «... bis dass der Tod euch scheidet» sind selten. Nicht mal ein Fünftel aller Paare besitzt einen Trauschein. Umso erstaunlicher ist der Trend, dass immer mehr Europäer – auch Schweizer – nicht nur ihre Flitterwochen auf den Seychellen verbringen, sondern sich auf der Insel auch «ewige Treue» schwören. So sind auf dem Standesamt in Victoria bald mehr ausländische Paare als einheimische registriert.

 

Peter Burri hat von diesen Honeymoonern nur gehört, als er letztes Jahr die Leitung des Hotel Cerf Island Marine Park Resort übernahm. Der Schweizer wollte als Hoteldirektor zusammen mit seiner Frau Joanna ein neues Leben beginnen und verkaufte sein italienisches Restaurant Rialto in Gstaad BE.

 

«Ich habe aber nie daran gedacht, dass wir auch so oft Trauzeugen werden», sagt der 50-Jährige. «In sechs Monaten haben bei uns fünf Paare aus England und Deutschland geheiratet – bei allen waren wir Trauzeugen.»

 

Paare, die mindestens vier Nächte buchen, können sich die Hochzeit von Peter Burri organisieren lassen: eine Zeremonie am Strand, im Regenwald, auf dem Schiff oder im Hotel, inklusive Blumen, Hochzeitstorte, Champagner, Fotograf und Kerzendinner am Strand. Der heimische Standesbeamte erwartet das Paar nicht in einem farblosen Büro, sondern vollzieht die Amtshandlung dienstfertig vor der Wunschkulisse des Hochzeitspaares.

 

Burris Hotel besteht aus zwölf Villen, die auf einer winzigen Insel gebaut sind, die zum St.-Anne-Marine-

Nationalpark gehört und nur zehn Bootsminuten vor Mahé liegt. Die edlen Häuser sind aus tropischen Hölzern und mit allem Luxus ausgestattet, den sich Liebespaare nur wünschen können: ein offenes Badezimmer – zu zweit duschen unter Bäumen; die Braut lässt sich vom Liebsten die Haare waschen und fühlt sich wie Meryl Streep im Film «Out of Africa» in der erotischen Szene mit Robert Redford; dazu ertönt das Adagio aus Mozarts Klarinetten-Konzert.

 

Die unergründlichen Geheimnisse der Natur und ihre erotische Anziehungskraft sind porentief zu spüren. Auf der zweitgrössten Insel, Praslin, 37 Kilometer nordöstlich von Mahé, hat Mutter Natur ein Prunkstück der Sinnlichkeit geschaffen: Im «Vallée de Mai» dauert der Monat der Liebe 365 Tage. Hier wachsen Seychellennusspalmen, die Coco de Mer, die als botanisches Phänomen 1983 von der Unesco in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurde.

 

Am Eingang des Palmenwaldes sitzt die Kreolin Evadney und notiert sich jeden Gast, der im Tal wandern will. Alle Wege sind ausgebaut und beschildert. Evadney zeigt auf eine Nuss, die neben ihr liegt: «Deshalb besuchen uns Menschen aus aller Welt.» Das Geheimnis der Nuss: Wenn ihre Schale platzt, erinnert sie an lockende weibliche Rundungen. Sie wiegt bis zu 20 Kilo und ist der grösste Samen der Pflanzenwelt.

 

Der männliche, bis zu 30 Meter hohe Baum protzt auch: mit einem Blütenstängel, der gut und gern fünf Meter lang ist. Wächst er zur Hochform, ist er mit winzigen, orangefarbenen Blüten geschmückt, auf dessen Nektar knallgrüne Geckos scharf sind. Dieser Garten Eden ist also nicht ganz jugendfrei.

 

 

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Eile ist auf den 115 Inseln der Seychellen ein Fremdwort

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Keine Bange: Besucher können ohne Angst durch den Palmenwald spazieren. Die Schlangen sind harmlos, Spinnen und Riesenschnecken nicht giftig. Baumfrösche werden erst nachts aktiv, Flughunde hängen tagsüber faul an Ästen und drehen wie Batman in der kurzen Dämmerung erste Runden.

 

Vögel am Himmel zu beobachten ist schwierig, denn die Baumriesen des Dschungels versperren die Sicht. Aber die fliegenden Chöre sind nicht zu überhören, das aufgeregte, laute Rufen der «Bulbul» (afrikanischer Vogel) oder das Kreischen des Schwarzen Papageis, der in Wirklichkeit grau ist. Nur beim Wasserfall wird die Idylle durch ein Warnschild gestört: «Trinkwasser! Zutritt verboten!»

 

Gartenhüterin Evadney erzählt, dass sie zwei Kinder hat. Die 42-Jährige ist – typisch für die katholische Sechellois – nicht verheiratet und jedes der Kinder hat einen anderen Vater. Père en passant, so leben kreolische Männer. Und die Damen lieben à la carte.

 

Auf dem Parkplatz beim Parkausgang warten Taxichauffeure auf ihre Gäste. Kevin trägt eine cremefarbene Uniform und ist stolz auf seine Schirmmütze vom Creole Travel Service, einem der grössten einheimischen Reiseunternehmen. «Ich liebe Autos mehr als Palmen», sagt der 24-Jährige. «Und ich liebe auch meine Freundin, wir haben einen zweimonatigen Sohn zusammen. Aber heiraten – das muss nicht sein.»

Er hat keine Eile – er ist ein Père en passant. Eile ist auf den Seychellen ein Fremdwort, aber unser Kevin ist immer pünktlich.

 

Pünktlich verlässt auch die Fähre den Hafen von Praslin. Gut 30 Minuten dauert die Fahrt nach La Digue. Von September bis März kann dieser Bootstrip zur Berg-und-Tal-Fahrt werden.

 

Aber sobald man wieder festen Boden unter den Füssen hat, steht die Zeit irgendwie still. Die Insel ist das Paradies für alle «Grünen»: Es gibt vier Taxis, vier Laster, vier Ochsenkarren und Velos, Velos, Velos. Auf

La Digue leben 3000 Menschen – ein Dorf im Meer.

 

Die Einheimische Reginela beneidet ihre Eltern nicht, die nach Schottland ausgewandert sind. Sie selbst hat in den USA gelebt und wollte nach zwei Jahren zurück: «Leben ohne den Konsumterror ist bei uns normal», sagt sie. «Daher können hier Verliebte in der Abgeschiedenheit auch ohne Ablenkung über ihre Zukunft nachdenken.»

Geheiratet wird hier am Strand Source d´Argent, dessen Kulisse mit weissem Sand und weichgeschliffenen, rosa Granitfelsen nicht nur Hochzeitskapellen den Rang abläuft, sondern auch Fototeams internationaler Modemagazine anlockt. Das glasklare, smaragdgrüne Meer eignet sich dank des vorgelagerten Korallenriffs fabelhaft zum Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen.

 

Die einzig echte Gefahr, die auf den Seychellen droht, kommt von oben: Von einer Kokosnuss.

 

 

Info

 

Seychellen – à la carte

 

1. Angebot

Cerf Island Marine Park Resort ****(*) auf Cerf Island,

6 Übernachtungen in einer Hillside Villa mit Frühstück, inkl. Flug mit Air Seychelles, Transfers und Flughafentaxen.

3123 Franken pro Person (Doppelbelegung)

 

2. Angebot

Le Méridien Barbarons**** auf Mahé, 6 Übernachtungen

im Standard-Zimmer, Gartensicht, mit Frühstück, inkl. Flug mit Air Seychelles, Transfers und Flughafentaxen

2550 Franken pro Person (Doppelbelegung)

Manta Reisen AG
Geroldstrasse 20
8010 Zürich
Tel: 044 268 24 44
info@manta.ch
www.manta.ch

Für Insel Romantiker

Wer gerne in kleinen Hotels und Pensionen wohnt, für den

gibt es seit März 2006 das Programm «Seychelles Secrets». Das sind kleinere Häuser, die von Einheimischen betrieben werden. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich:  www.seychellessecrets.com
 





 

 

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